Freibad Schröttinghausen

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So wird das Freibad winterfest

Schröttinghausen: Jahr für Jahr baut der Förderverein eine selbstkonstruierte Enteisungsanlage ein. Einmal gab es parallel den Versuch, Forellen zu züchten von kurt ehmke

Rohr mit Verbindungsstück: Ingo und Michael Ullrich (r.) hängen im Freibad Schröttinghausen ein Rohr ein. Später wird das Rohrsystem an eine Pumpe angeschlossen und sprudelt Wasser heraus. FOTOS: EHMKE

Kleine Löcher, große Wirkung: Friedrich Horstkotte zeigt ein Rohr mit einem der Löcher, durch die das Wasser ins Becken zurücksprudelt.

Eisfrei am Rand: So muss es sein, wenn das Bad den Winter überstehen soll. Rechts im Wasser ist die Rohranlage zu sehen. FOTO: ULLRICH

Laubfänger: Der Förderverein stopft Bürsten in die Abflüsse.

Schröttinghausen. Nachts war der erste Frost da - und nun trifft sich eine Handvoll Männer. Ihr Auftrag: Das  Freibad Schröttinghausen muss den Winter überstehen. Seit 1938 klappt das. Und seit zwei Jahrzehnten klappt das besonders gut dank einer selbstgebauten Enteisungsanlage.

In anderen Bädern werden Eisdruckpolster am Rand verlegt - also luftgefüllte längliche Ballons zwischen Beckenrand und Wasser befestigt. Das Eis quetscht sie ein, das nimmt den Druck vom Beckenrand.

In Schröttinghausen dagegen sprudelt es im 1.000-Kubikmeter-Becken. Damit nicht unnötig Energie verschwendet wird, hängt die Enteisungsanlage an einem Temperaturwächter. "Bei minus zwei Grad geht die Anlage an", sagt Michael Ullrich vom Förderverein. Dann legt die Pumpe los und sprudelt Wasser aus kleinen Löchern in Rohren am Rande des Wassers.

Vor dem Start aber liegt viel Arbeit. Es heißt: Hände rein ins 8,8 Grad kalte Wasser. Etliche ehemalige und jetzt durchlöcherte Hauswasserentwässerungsrohre werden miteinander verbunden und am Rand in eine spezielle Aufhängung gehoben. Ist alles miteinander verbunden, wird die Pumpe in der Mitte des Beckens versenkt. Friert es, sprudelt es los.

Das bewegte Wasser am Beckenrand friert nicht, außen bleibt alles eisfrei. "Es ist dasselbe Prinzip wie bei jedem Bach", sagt Ingo Ullrich, Vater von Michael. "Kritisch ist es am Beckenkopf, wenn es da friert, reißt der schnell ab." Der Beckenkopf ist der Bereich, den ein Schwimmer anfasst, wenn er sich am Rand festhält.

Mit der Kartoffelforke gegen das Eis

Anders als bei den Eisdruckpolstern muss in Schröttinghausen aber täglich kontrolliert werden. Ingo Ullrich macht das, denn die Technik könnte ja ausfallen. "Bisher aber hatten wir noch nie Schwierigkeiten." Zudem muss immer kontrolliert werden, ob die Rohre auf der richtigen Höhe hängen. Sinkt der Wasserspiegel, nützt die Sprudeltechnik nichts. Viel Aufwand, der aber in sehr kalten Wintern belohnt wird. "Wir müssen nur immer wieder mal Eis mit einer Kartoffelforke vom Rand in die Mitte werfen, in Dornberg aber mussten die Kollegen vor drei Jahren mit der Motorsäge den Rand und die Eisdruckpolster freischneiden." Minus 18 Grad sind für Freibäder eine echte Herausforderung. "Damals haben auch wir mit der Pickhacke am Rand gestanden - das Eis war 20 Zentimeter dick", sagt Ingo Ullrich. Friedrich Horstkotte: "Dagegen waren die beiden letzten Winter richtig angenehm."

Dass das Wasser im Becken bleibt, hat vor allem diesen Grund: Es stabilisiert das Becken - und auch Fliesen bleiben an der Wänden.

Vor allem in den Fördervereinsbädern sind nicht nur im Sommer viele Menschen gefordert - in Schröttinghausen trägt der Verein das Bad seit 1993. Der bunte Mix an gut 2.000 Mitgliedern fördert manchmal auch wundervolle Ideen zu Tage: "Hier wurden mal kleine Forellen eingesetzt", sagt Michael Ullrich.

Die Hoffnung war wohl ein nettes Grillfest zum Saisonstart. Am Chlor scheiterte die Zucht nicht, "das ist nach ein paar Tagen raus aus dem Wasser", sagt Ullrich. Aber der Fischreiher war zu clever und hatte schnell raus, wo die Forellen gefüttert wurden und leicht zu fangen waren. Und es fehlte wohl auch an bewegtem Wasser - letztlich war die Ausbeute im wahrsten Sinne des Wortes mager: zu klein, zu wenig. "Die Hälfte war weg."

So gibt es immer wieder Ideen, die Bäder jenseits der Saison auch mal anders zu nutzen: "Ein Tag für Modellbootfahrer wäre klasse", sagt Michael Ullrich. Wenn nur die Auflagen an die Sicherheit nicht so groß wären. Und perfekt wäre ja auch die Vision einer Eislaufbahn, da würden im Winter gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Nur wie das gehen könnte mit der eisfreien Kante und den Läufern in der Mitte des Beckens, dafür finden die kreativen Männer aus Schröttinghausen noch keine Lösung. Noch.

Neue Westfälische vom 5.11.2015

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